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Auf nach Kopenhagen

Solo im Folkeboot von Lübeck nach Kopenhagen und zurück
29. August bis 11. September 2009

Beinahe wäre alles vorbei gewesen. Bei dem zweiten Hochseetörn, den ich alleine unternehme, erlebe ich, wie schnell auf See eine wirklich gefährliche Situation entstehen kann. Eine der einprägsamsten Erfahrungen in vierzig Jahren Segeln.

Doch der Reihe nach. Mit dem ersten Solotörn im vergangenen Jahr, habe ich gute Erfahrungen gemacht. Weder habe ich mich einsam gefühlt, noch hat mir die Angst vor den Naturgewalten zugesetzt, wie ich insgeheim befürchtet habe. Daher will ich mir dieses Mal eine längere und anspruchsvollere Strecke vornehmen. Ich chartere in Lübeck eine kleine Yacht und will sie die 150 Meilen nach Kopenhagen und noch einmal 150 Meilen zurück segeln. 


Die Marieholm 26 "Kassiopeia II"

Samstag, 29. August 2009: Lübeck

Grundsätzlich sollte man seinem GPS-Gerät vertrauen. Diese Erfahrung mache ich auf der Suche nach der Charterfirma.  Ich gebe die Adresse ein, folge den Anweisungen der sanften Frauenstimme und  stehe plötzlich in einer Sackgasse. Vor mir das Wasser der Trave, neben mir ein paar Lagerhallen  und auf der anderen Seite ein Elektrizitätswerk. Ich denke, das verdammte Gerät hat mich in die Irre geführt, kehre um und mache mich auf die Suche nach Anhaltspunkten. Nach einigem Hin und Her habe ich den Verdacht, dass die gesuchte Adresse nahe sein müsse, und lasse das Gerät wieder arbeiten. Prompt lande ich wieder in derselben Sackgasse.

Nun werde ich doch stutzig, schaue mich um und entdecke schließlich bei einem der Schuppen auf einem Gittertor ein verblasstes Schild. Darauf steht der Name der Charterfirma.  Mir dämmert, dass ich dem Gerät unrecht getan habe. Ich fahre durch das Gittertor, stelle das Auto ab und finde tatsächlich hinter den Hallen eine kleine Steganlage. Man soll eben nicht klüger sein wollen als sein GPS.

Der Chef der Charterfirma eröffnet mir, dass es auf dem Schiff, das ich gebucht habe, eine Hallberg 28, Probleme mit der Maschine gibt. Sie springt nicht zuverlässig an. Er möchte mir ein anderes Boot geben, das keinerlei Schwierigkeiten macht. Was kann man dazu schon sagen? Wer will schon alleine in einen fremden Hafen einlaufen mit einer Maschine, die vielleicht nicht anspringt?

Also übernehme ich „Kassiopeia II“, ein IF-Boot von der legendären schwedischen Werft Marieholm. Dabei handelt es sich um eine Variante des Folkebootes, Baujahr 1980, acht Meter lang (26 Fuß), zwei Meter zwanzig breit, Langkiel, äußerst seetüchtig und stabil. Mir soll es recht sein.

Außerdem bekomme ich sogar noch Geld zurück, weil das kleinere Schiff billiger ist. Den Rest des Tages verbringe ich damit, Vorräte einzukaufen und mich auf dem Schiff einzurichten.

Einen Hinweis bekomme ich noch von der Charterfirma:  Nachdem im Vorjahr der Mast gebrochen ist, steht nun ein neuer auf dem Deck. Und darin gibt es eine kleine Feder, eine Neuentwicklung, die das Einfädeln der Mastrutscher des Segels erleichtern soll. Manchmal gebe es Schwierigkeiten damit. Eigentlich gibt es diese Schwierigkeiten sehr oft, wird sich später herausstellen, doch vorerst liegt das Boot ja noch friedlich am Steg.


Travemünde

Wie auch im Vorjahr verschlechtert sich zu Beginn meines Solotörns gleich einmal das Wetter. Von der Nordsee ist eine Kaltfront herangezogen, gegen Abend setzt heftiger Regen ein, kräftige Böen rütteln das Schiff am Steg durch. Die alten Steckschotts machen nachts einen Höllenlärm und ich stopfe Papier in die Ritzen, um Ruhe zu haben.

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