Zeit der Stille

Dalmatien, 3. bis 17. April 2004

Nicht jeder mag Dalmatien im April. Wer auf Sonne und Badewetter aus ist, ist dort auch sicher am falschen Platz. Das Wasser wird nicht wärmer als 14 Grad und das Wetter kann sich von der unfreundlichen Seite zeigen. Auf der anderen Seite findet man um diese Zeit etwas, wovon man in der Hauptsaison nur träumen kann: Stille. So auch, als wir, Gerhard und Christian, uns im April 2004, in einem ungewöhnlich verregneten Frühling, mit einer Elan 31 in der Gegend zwischen Vodice und Hvar herumtrieben.

Freitag, 2. April: Anreise

Wir wollen schon die 680 Kilometer lange Anreise von Wien gemächlich absolvieren und legen einen Zwischenstopp nach 490 Kilometern, in Plitvice Jezera, ein. In einem der großen Hotels des Nationalparks bekommen wir Zimmer, der Balkon schaut auf den Wald, in dem die berühmte Wasserfälle von Plitvice rauschen. Zwischen den Föhren liegt da und dort noch Schnee. Der italienische Fernsehsender RAI Uno kündigt in seiner Wettervorschau für die Adria die Annäherung einer Front an.

Samstag, 3. April: Vodice

Trotz unzähliger, rätselhafter Umleitungen und neuer Straßen, die in keinem Plan verzeichnet sind, erreichen wir kurz nach Mittag bei mildem Frühlingswetter die Stadt Vodice. In der ACI-Marina übernehmen wir die Yacht, die Elan 31 "Martin", Baujahr 1986. Da kein Gedränge herrscht, sind wir mit Check des Bootes und dem Verstauen von Proviant schnell fertig. Wir haben sogar noch die Muße selbst zu kochen. Unsere Lust auf die Küche der Touristenrestaurants in Vodice hält sich in Grenzen.


Die Elan 31 "Martin"

Sonntag, 4. April: Vodice - Marina Frapa

Sonniges Wetter, allerdings fällt das Barometer. Im Sibenski Kanal erwartet uns ein angenehmer Südwestwind, 3-4 Beaufort. Hart am Wind ist die Elan wie erwartet temperamentvoll und neigt dazu, in Böen nach Luv auszubrechen. Sechs Knoten macht sie spielend. Kein anderes Segelboot weit und breit. In Primosten finden wir keinen Platz, der Pier ist mit Fischerbooten belegt. Man hat hier die Saison noch nicht eröffnet. Also weiter nach Rogoznica, in die Marina Frapa, eine der teuersten in der Adria, neu gebaut im Stil eines venezianischen Kastells, inklusive Denkmal mit Markuslöwen und einem von Brücken überspannten Kanal. Fehlen nur noch die Gondeln. Allerdings ist die Luxusmarina komfortabel, sogar die Duschen sind geheizt. Und das wissen wir zu schätzen, denn die Nächte sind kalt. Man schläft am besten in Unterwäsche, Trainingsanzug, Bergschlafsack und unter zwei zusätzlichen Wolldecken. Mehr als 10 Grad Celsius zeigt das Thermometer nachts in der Kajüte nicht und Gerhard ist froh, eine Wärmflasche eingepackt zu haben, die er jeden Abend mithilfe einer Rohrzange auf Sicherheitsabstand hält, während er sie aus mit Wasser aus dem Teekessel feierlich füllt. Ein Ritual, das uns die nächsten Wochen begleiten wird.


Marina Frapa

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