Ostfriesische Inseln

Helgoland und die Ostfriesischen Inseln
15. bis 27. Juli 2006

Zu den ostfriesischen Inseln fällt unsereinem der Roman "Das Rätsel der Sandbank" von Erskine Childers ein. Wir beide, Gerhard und ich, haben unabhängig voneinander das Buch bei der Anreise im Gepäck. Vergangenes Jahr in Cornwall haben wir uns auf diesen Törn geeinigt und nun ist es so weit. Andere Mitsegler haben sich nicht gefunden, wir hatten auch nicht die Zeit, eine größere Crew auf die Beine zu bringen. Also gehen wir es zu zweit an.

Lindaunis
Übersichtskarte

Freitag, 14. Juli: Nach Hooksiel

Die Anreise nach Ostfriesland mit Flugzeug und Bahn hat es in sich. Schon unser Treffen in Hannover verzögert sich wegen verspäteter Züge und in diesem Stil geht es nach mehrfachem Umsteigen weiter. Nachdem wir auch in Oldenburg einen Anschluss verpasst haben, stehen wir schließlich mit zwei Stunden Verspätung auf dem Bahnhof von Sande, einem kleinen Ort in der Nähe von Wilhelmshaven. Dort werden wir mit dem Auto abgeholt. Isabel Siwczak, die das Boot verchartert, hatte schon am Telefon bezweifelt, dass wir mit öffentlichen Verkehrsmitteln bis ins Dorf Hooksiel kommen würden. Und sie hatte Recht gehabt. Mit Umsteigen und Verspätungen hätten wir auch den letzten Autobus verpasst.

Isabel nimmt die Landstraße, um uns etwas von der Gegend zu zeigen. Sie führt an einem Deich entlang, auf dem Schafe weiden, dahinter erstreckt sich bis zum Horizont die Wasserfläche der Jade. Wir kommen an Löschbrücken für Container und für Tankschiffe vorbei und jenseits des Industriegebietes liegt dann Hooksiel, ein idyllisches Dorf, durch eine Schleuse mit der Jade und der Nordsee verbunden.

Samstag, 15. Juli 2006: Hooksiel

Lindaunis
Hooksiel, Alter Hafen

Da hier alles ein wenig abgelegen ist, hat die liebenswürdige Isabel bereits für uns das Wichtigste eingekauft. Am Samstag besorgen wir nur noch ein paar Kleinigkeiten. Außerdem nehmen wir uns Zeit das Schiff zu überprüfen, die "Salta", eine Jeanneau 35 mit Schwenkkiel. Tom Siwczak, der morgens mit frischem Gebäck an Bord erscheint, erklärt uns die Feinheiten dieses Kiels. Der wird entweder ganz ausgefahren (Tiefgang 2,18 Meter) oder ganz eingeholt (0,91 Meter); genau hundert (!) Mal kurbeln in die eine oder andere Richtung. Das muss man sich vorstellen: Bei starkem Wind und kräftigem Seegang vor der Hafeneinfahrt unten am Salontisch mit aller Kraft kurbeln, kurbeln, kurbeln. Er selbst, sagt Tom Siwczak mit feinem Lächeln, fährt den Kiel nur aus, wenn es bei einem langen Schlag am Wind unbedingt erforderlich ist. Na gut, wir werden sehen.

Praktisch ist übrigens das Funkgerät mit Deckslautsprecher. In diesem Revier ist es nämlich ratsam, den Funkverkehr der Leitzentralen Jade Traffic oder German Bight Traffic laufend mitzuhören. Da viele großen Schiffe auf dem Weg nach Hamburg, Bremerhaven oder Wilhelmshaven hier vorbeikommen, empfiehlt es sich, auf dem Laufenden zu sein.

Sonntag, 16. Juli 2006: Hooksiel - Wangerooge

Am Sonntag sind wir um sechs Uhr auf den Beinen. Nach einem kurzen Frühstück brechen wir um halb acht auf. Wir müssen die erste Schleuse erwischen. Um 5 Uhr 42 hat die Tide in Wilhelmshaven den höchsten Stand erreicht, bis kurz vor Mittag können wir das ablaufende Wasser nützen, später hätten wir den Strom gegen uns. Kurz nach acht verlassen wir die Schleuse, runden die grüne Tonne, die eine tückische Sandbank vor der Einfahrt markiert, vor der Isabel Siwczak nachdrücklich gewarnt hatte, und gehen auf nördlichen Kurs. Jade Traffic kündigt gutes Wetter und Ostwind Stärke vier an, keine Behinderungen. Besser könnte es nicht sein. In der Ferne steht der Leuchtturm Mellumplate einsam im Wasser. Er markiert eine Sandbank, die sich erst in ein paar Stunden zeigen wird. Der Strom von zwei Knoten schiebt das Schiff rasch nach Norden. Bald ist das Minsener Oog erreicht, eine unbewohnte Sanddüne, die wie die meisten Inseln in Ostfriesland von Mauern gestützt wird. Sie werden Buhnen genannt. Bevor die Menschen begonnen hatte, Buhnen zu bauen, haben die Inseln bei Sturmfluten ihre Lage immer wieder verändert. Manche sind sogar verschwunden.


Begegnungen

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