christian

Wie ich segeln lernte

Wenn ich hier nun beschreibe, wie ich segeln gelernt habe, möchte ich damit nicht sagen, dass ich heute glaube, alles gelernt zu haben. Im Gegenteil: Bei jeder Ausfahrt kann etwas Überraschendes passieren, zum Beispiel dass sich die Verbindung von Großschot und Baum löst und ich bei Windstärke vier bis fünf mit wildgewordenem Großbaum durch die Ruster Bucht treibe. Oder dass ich in einer Schleuse stehe und, obwohl ich schon viele Male geschleust habe, aus irgendeinem Grund darauf vergesse, dass es dieses Mal keine Schwimmstege gibt und die Leinen erst im allerletzten Augenblick fiere...

Also, von Können kann keine Rede sein. Segeln zu lernen, habe ich ihm Alter von zwölf Jahren begonnen, und zwar in Österreich, auf dem Wolfgang See, gar nicht weit entfernt vom großen Raudaschl. Die Boote, auf denen ich die Wellen des Sees gemeinsam mit anderen Schülern des Ferienhortes gepflügt hatte, waren allerdings keine leichtfüßigen Renner sondern alte Kriegsschiffbeiboote der österreichischen Marine. (Jugendkutter nennt man dergleichen in Deutschland.) Später habe ich solche Boote auch in Holland und in England wieder gesehen. Um den Bug durch den Wind zu bringen, musste man die Fock los werfen, ein Verfahren, dass mir schon entsetzte Blicke von schicken Yachties eingetragen hat. Aber immerhin hat man gewusst, wie Luvgierigkeit entsteht.

 


Kutter am Wolfgangsee

Meine ersten Hochseetörns verdanke ich der Segelschule auf den Îles Glénan, heute eine der renommiertesten Schulen Frankreichs. Auf der kleinen Insel südlich von Concarneau, auf der keine Bäume wachsen, weil sie Tag und Nacht dem Wind ausgesetzt ist, standen einige Militärzelte für den theoretischen Unterricht und an einer Steinmole lagen Côtres Militaires, sieben Meter lange Kutter, auf denen wir damals, 1973, zu sechst unterwegs waren, durchaus auch eine Woche lang. Später war ich sehr überrascht, Segelboote mit eingebauten Toiletten zu sehen, und Segler, die täglich die Wäsche wechseln. Und noch eines ist mir geblieben: Die Erinnerung daran, wie hilfreich eine Kuttertakelung ist. Ich verstehe eigentlich nicht, warum man sie heute nur noch selten sieht.

Die Törns an der bretonischen Südküste haben auf jeden Fall einen tiefen Eindruck hinterlassen, auch wenn in späteren Jahren andere Lebensprioritäten das Segeln vorübergehend verdrängten. Erst zwanzig Jahre später, im Juni 1996, machte ich den offiziellen österreichischen A-Schein am Neusiedlersee bei der sehr empfehlenswerten Segelschule Kempf, und im Jahr 1999 dann, nach vielen Wochenendtörns auf dem Neusiedler See, den österreichischen Hochseeschein, genannt B-Schein mit allem drum herum. Inzwischen bin ich knapp 6000 Meilen in Hochseerevieren gesegelt, zum Teil als Skipper, zum Teil mit deutschen oder britischen Segelschulen, um meinen Horizont zu erweitern. (Sehr empfehlen kann ich übrigens den DHH in Glücksburg an der Ostsee, bei dem ich immer wieder an Trainings oder Seetörns teilgenommen habe. Besonderen Respekt habe ich vor den Briten, bei denen man am meisten lernen kann, neben vielen kleinen Tipps für den seglerischen Alltag auch einen unerschütterlichen Humor.)

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