W I N D  &  W E L L E N

     Start | Törns | Links | Kontakt





Türkischer Frühling

Fortsetzung 1

Sonntag, 29. April: Göcek - Karacaören

In der Bucht von Göcek weht eine sanfte Brise aus Süden. Wir lassen uns Zeit, ehe wir auslaufen. Der Morgen ist in diesem Revier meistens windstill, gegen Mittag setzt dann die erste Brise ein, die sich bis zum Abend verstärken sollte.Vor der Marina üben wir eine Weile Boje-über-Bord-Manöver, dann segeln wir gemächlich nach Süden, Kurs auf das Kap Dökükbasi, hinter dem sich einer der letzten Ausläufer das Taurus erhebt, der immerhin noch 1968 Meter hohe Baba Dagi, „Vater Berg“. (Im östlichen Taurus, an der syrisch-türkischen Grenze, sind die Gipfel höher als 4000 Meter.)

Hinter dem Kap öffnet sich die Bucht mit der Insel Gemiler. Wir halten uns an die westliche Nische, einem geschützten Fleck hinter den dunklen Basaltfelsen von Karacaören. Dort schmiegt sich an den steilen Hang eine große Holzhütte mit einer Terrasse auf dünnen Stelzenbeinen. Noch während wir langsam in die Bucht einlaufen, löst sich von der Hütte ein Boot und kommt auf uns zu. Ein Mann winkt. Es ist Can, der junge Wirt, der uns dabei behilflich ist, eine Boje zu nehmen. Er wird uns auch zum Abendessen abholen. Wir müssen nur pfeifen, sagt er, gibt Gas und kehrt in voller Fahrt zu seiner Hütte zurück.

Lange sitzen wir im Cockpit und können uns kaum sattsehen an der Kulisse, den Hängen des Baba Dagi, die in der Abendsonne leuchten, und der Felsszenerie von Karacaören.   Muezzin gibt es hier keinen, dafür krähen in den Olivenhainen neben der Hütte zwei Hähne um die Wette.

Später holt uns dann das Boot und wir essen auf der Terrasse mit Blick über die Bucht. Can führt das Restaurant in dritter Generation, 1974 hat es sein Großvater eröffnet. Sein Vater, ein Schwammtaucher, war dann weithin bekannt für seine nächtlichen Geigensolos auf der Terrasse. Nun aber übernimmt nach und nach der Sohn das Geschäft, unterstützt von seiner holländischen Freundin. Dieses Mal  kann er uns einen frischen Zackenbarsch anbieten, einen Fang, der im Mittelmeer längst nicht mehr alltäglich ist. Can ist so stolz auf diesen Fisch, dass er sich damit fotografieren lässt, bevor er ihn serviert.


In Karacaören


Montag, 30. April: Karacaören – Kalkan

Der Morgen ist wieder windstill, die Hänge des Baba Dagi hüllen sich in Dunst. Abermals lassen wir uns Zeit, ehe wir den Felsen von Karacaören runden, auf dem die Ruinen einer Befestigung stehen. Danach beginnt das Echolot bald zu blinken. Die Küste ist hier so steil wie die Abhänge des Taurus. Bereits in geringer Entfernung vom Ufer beträgt die Wassertiefe mehr als einige hundert Meter und das Echolot kann keine Daten mehr liefern. Knapp vier Meilen vor der Küste ist dann die 1000-Meter-Linie überschritten.

Gegen 13 Uhr erreichen wir Kap Kötü. Allmählich frischt der Wind aus Nordwest auf, vom offenen Meer kommen Schaumkronen und eine leichte Dünung setzt ein. Unter vollen Segeln halten wir nach Südosten, die Küste entlang. Nach Kap Ince erstrecken sich dann weite, menschenleere Sandstrände,  das Wasser schimmert  türkis.  Wir brauchen eine Weile, bis wir die Insel Yilan vom Festland unterscheiden können, dann nehmen wir direkt Kurs auf den Hafen von Kalkan.

Im Hafen von Kalkan liegen viele Gulets und er wirkt bereits jetzt, in der Vorsaison, recht beengt. Wir lassen unseren Anker fallen und drücken uns zwischen zwei hochbordige Gulets, begleitet vom ohrenbetäubenden Segen des Muezzins, der unserem Manöver einen feierlichen Ernst verleiht.


Kalkan mit Muezzin

Neben den Gulets und einigen Taucherbooten, liegen hier vor allem Charteryachten. Auf den meisten von ihnen ist die Umgangssprache russisch.  Diese Küste scheint fest in der Hand von russischen Touristen zu sein.

Wir sitzen im Cockpit und nippen, wie es unterwegs unsere Gewohnheit ist, an einem Glas Whisky. Da sehen wir oben, auf der Mole, drei junge Frauen mit Kopftuch und langen Gewändern. Ihnen kommt eine andere Türkin entgegen, ungefähr im selben Alter, aber bekleidet mit einem aufreizend knappen Bikini. Die vier bleiben stehen, sehen einander an und brechen in schallendes Gelächter aus.

Zurück¦Weiter